Riesiges Containerschiff nach Hamburg – Jade-Weser-Port überflüssig?

Am kommenden Dienstag den 13. Juli wird das erste Containerschiff der Megaklasse in Hamburg erwartet: Die „CMA CGM Christophe Colomb“ mit einer Kapazität von 13.880 TEU soll den Hamburger Hafen künftig regelmäßig auf der neu eingerichteten gemeinsamen FAL5-Linie von CMA CGM und Maersk anlaufen. Bisher hielten Schiffe mit 11.356 TEU den Größenrekord.

„Mit der Ankunft diese Schiffes wird deutlich, dass die geplante Elbvertiefung weniger auf das Bemessungsschiff der Planunterlagen mit 350 m Länge und 10.000 TEU (Super-Post-Panmax) abzielt, sondern auf die Schiffsklasse darüber, die Very Large Container Ships (VLCS)“, sagte dazu der Sprecher des Regionalen Bündnis gegen Elbvertiefung, Walter Rademacher.

Bereits am 17. April 2008 hatte der CDU-MdB und heutige Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann in einer Sitzung des Rats der Stadt Cuxhaven gesagt, dass die Elbvertiefung für die nächste Schiffsgeneration erfolgen soll. Auch in der Bedarfsbegründung der 3. Planänderung führt das Bremer Institut ISL aus: „Die geplante Elbvertiefung bietet dem Hafen Hamburg die Möglichkeit, in den oberen Größensegmenten den Marktanteil zu steigern…“, und die vorhandenen Containerbrücken wurden nicht zufällig für die deutlich breiteren VLCS ausgelegt.

Die Elblotsen werden bereits am Fahrsimulator auf Schiffe von 400 m Länge vorbereitet, also noch deutlich mehr als die „CMA CGM Christophe Colomb“ mit 365,50 m Länge. Die aktuellen „Bekanntmachungen für Seefahrer“ ermöglichen bereits ohne weiteren Elbausbau Schiffen bis 410 m Länge den Weg nach Hamburg, und damit 50 m länger als bisher.

Angesichts stagnierender Umschlagszahlen und ausreichender Kapazitäten und Dimensionen in Hamburg und Bremerhaven stellt sich damit unweigerlich die Zukunftsfrage für den Jade-Weser-Port. Über 600 Mio. hat das Land Niedersachsen dort aus Steuermitteln investiert – mit hohen Folgekosten und ungewissen Zukunftsaussichten.

Droht der neue Hafen jetzt zur Investitionsruine zu werden? Die Umschlagunternehmen Maersk und BLG-Logistics/Eurogate haben ihre geplante Investition von 375 Mio. Euro in die Wilhelmshavener Anlagen zunächst um 9 Monate verschoben, sehr zum Unmut des hilflosen Landes Niedersachsen. Weiterhin stehen sogar Verschiebungen um mehrere Jahre im Raum, weil die vorhandenen Umschlagkapazitäten und –anlagen in Bremerhaven und Hamburg von der Hafenwirtschaft als ausreichend angesehen werden.

Dabei gibt es klare Beschlüsse des Bundes und der beteiligten Küstenländer Hamburg, Niedersachsen und Bremen, wonach ein deutscher Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven für die großen Containerschiffe ab 10.000 TEU mit Konstruktionstiefgängen über 14,50m gebaut werden soll. Jetzt wo dieser Hafen bald fertig ist, unterläuft Hamburg diese Beschlüsse und will auch die ganz großen Schiffe mit seinen Maximalforderungen einer Elbvertiefung bis zu 2,42m auch mit großer Auslastung nach Hamburg holen. Bezahlen soll das wieder einmal der Steuerzahler mit 400 Millionen Euro und ebenfalls hohen Folgekosten für Unterhaltungsbaggerungen.

Das würde nicht nur zu Lasten von Wilhelmshaven gehen, sondern auch der gesamten Unterelberegion. Walter Rademacher vom Regionalen Bündnis appelliert deshalb an den Niedersächsischen Ministerpräsidenten dieser Verschwendung von Steuergeldern zu Lasten von Mensch und Natur mit allen Mitteln entgegenzutreten und der geplanten Elbvertiefung das notwendige Einvernehmen zu versagen.

„Wenn man es auf den Punkt bringt, verbirgt sich hinter der Fassade des reklamierten „öffentlichen Interesses“ für die Elbvertiefung in Wahrheit nur rücksichtsloser Egoismus und die Neuauflage des jahrhundertealten Wirtschaftskrieges gegen die Nachbarn“, resümiert der Bündnissprecher.

Nachfragen an

Walter Rademacher, Regionales Bündnis gegen Elbvertiefung

Email: ing@walter-rademacher.de

Internet: http://www.wir-brauchen-keine-elbvertiefung.de/

Tel.: 0 47 52 / 84 10 74

Fax : 0 47 52 / 84 10 76

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