Die Bedeutung des Hamburger Hafens wird abnehmen

Eine aktuelle Reederbefragung der UniCredit stützt meine bekannte Einschätzung in drei Punkten:

1. Direktverkehre in die Ostsee werden zunehmen und Hamburgs Feederverkehre damit weiter abnehmen. Es war ja wohl auch klar, dass man an der Ostsee keine Tiefwasserhäfen baut, um dort Feederschiffe via NOK aus Hamburg abzufertigen.

2. Weniger als die Hälfte (46 %) der Reeder sehen noch eine Mengenausweitung im Gesamtumschlag, allenfalls eine Umschichtung zum Containerverkehr. Davon kann Hamburg mit einem Containerisierungsgrad von ca. 95% aber nicht mehr profitieren. Die absurden Planco-Prognosen von 27 Mio. TEU in 2025 in Hamburg werden also aus Fachkreisen nicht gestützt.

3. Die Bedeutung des Hamburger Hafens wird abnehmen.

Und das alles unabhängig oder sogar trotz der Elbvertiefung und dem milliardenschwerem Ausbau des NOK. Wirklich wichtig ist beides weniger für die Schifffahrt, sondern mehr für den Bausektor: WSV, Planungs-, Prognose-, Gutachterbüros, Bau- und Baggerfirmen, um diese Arbeitsplätze und deren Gewinne geht es wirklich, hier wie bei der WSV Ost.

2010-12-15 UniCredit – Blitzumfrage unter Reedern.pdf

2 Antworten auf Die Bedeutung des Hamburger Hafens wird abnehmen

  1. Thomas sagt:

    Bisher hat Hamburg ganz offensichtlich “um die Ecke gedacht”, was hat dann dazu geführt hat, daß Container die Elbe hinauf nach Hamburg geschippert, dort auf kleinere Feeder-Schiffe umgeladen wurden und die Elbe wieder hinabschipperten zu kleineren Häfen der Ost- oder Nordeeanrainer.
    Wenn man den Reedern allgemein auch nicht nachsagen kann, besonders “helle” zu sein, anscheinend ist einigen doch aufgefallen, daß der Direktverkehr sinnvoller ist, zumal ja Häfen in der Ostsee und im Kattegat erheblich in die Abfertigung auch großer Containerschiffe investiert haben.
    Die Folge wird zwangsläufig sein, daß die Umwegverkehre über Hamburg zurückgehen werden; zumal ja in absehbarer Zeit der Tiefwasserhafen Willhelmshaven zur Verfügung stehen wird. Da hilft alles Jammern und insbesondere eine weitere Elbvertiefung nicht mehr, Hamburg wird sich fügen müssen.

  2. Wolfgang Spindler sagt:

    Aber ist dies auch Herrn Olaf Scholz klar, der ja nun ausgerechnet mit der Elbvertiefung als Hauptthema seinen SPD-Wahlkampf bestreiten will, den er nach den Demoskopen sowieso schon gewonnen hat? Eine NDR-Umfrage hat dieser Tage ergeben, dass nur fünf bis sechs Prozent der Hamburger Wähler am Thema Elbvertiefung überhaupt interessiert sind. Man macht sich doch nicht ohne Grund lächerlich, oder? Ich verstehe im Moment das machtpolitische Kalkül nicht mehr.