Logistik absurd

Wenn sich die Befürworter der Elbvertiefung ihrer Sache sicher wären, hätten sie es nicht nötig, ein derartiges Trommelfeuer von Lügen über die Presse zu eröffnen. Ich erspare mir, die zahlreichen Artikel der letzten Wochen mit Märchen über Ladungsverluste wg. zu geringer Tiefe und Drohungen anzuhängen, die Faktensprache der uns vorliegenden Tiefgangsdaten widerlegt die ganze Propaganda zweifelsfrei. Selbst die größten Schiffe fahren immer noch überwiegend tideunabhängig und haben erhebliche Tiefgangs- und damit Ladungsreserven. 1. Der anh. Artikel im HA zum Thema Wilhelmshaven schlägt andere Töne an. Es erinnert mich an das Gespräch des Regionalen Bündnis gegen Elbvertiefung bei Eurogate vor 3 Jahren.

2. Hochinteressant ist die anh. Präsentation der Hafen Hamburg Marketing: Da wird deutlich, dass der Löwenanteil der Umschlagsverluste durch Russland und Ostseeraum bedingt sind (Folien 8+9), nicht aber durch eine zu flache Elbe.

  • Folie 15 Hafenranking zeigt Hamburgs Vor-und Nachteile. Warum aber für den 2012 in Betrieb gehenden Tiefwasserhaven in Wlihelmshaven die Hinterlandanbindung (Autobahn und zweigleisige Bahn) und die Versorgung mit Logistikservice als schlecht angesehen werden, ist für mich nicht nachvollziehbar.- Folie 18 zeigt, welche Bedeutung die Konkurrenz der neuen Adriahäfen für HH bedeutet, auch wenn’s nicht drinsteht. Dort wird ebenfalls die Hinterlandanbindung ausgebaut. In der Planco-Studie für die Planunterlagen ist die gesamte neue Konkurrenz im Norden und im Süden incl. Maasvlakte II unberücksichtigt, nur Wilhelmshaven fand nachträglich noch Eingang.
  • Folie 21 zeigt, dass HH kein Feederhafen ist und der Anteil auf der Schiene nur 27 % beträgt. Bei der Bewerbung zur Umwelthauptstadt brüstete sich mit 70 % (!), s. anh. "Hamburg lügt sich grün", unter Transport, 2. Absatz.
  • – Die Angaben in Folie 22, 23, 27 und 28 widersprechen sich bezüglich Bahn- und LKW-Anteil im Hinterlandverkehr grundlegend. Zwischen 27,5 und 70 % schwanken die Angaben für den Bahnanteil. Auf Folie 23 heißt es dann einschränkend: "über längere Strecken 70 % davon per Bahn" Was sich tatsächlich im Hamburger Hafen diesbezüglich abspielt, liegt wohl bei ca. 33 % der Landverkehre (ohne Feederverkehr).

3. Die anh. Pressemitteilung von "Rettet die Elbe" ist gut recherchiert und deckt den ganzen Schwindel um die "Umwelthauptstadt" auf.

4. Im Osten ist alles noch absurder. Der Artikel aus dem aktuellen Spiegel spricht Bände über den Wahnsinn, den die praktisch überflüssige WSD Ost zur Selbsterhaltung bzw. auch der der beauftragten Planer und Baufirmen entfesselt.

Bauen zum Selbstzweck. Was kostet wohl der Transport mit Binnenschiffen pro Tonne und km, vor allem aber insgesamt den Steuerzahler wirklich? Wir werden es wohl nie erfahren…

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