Elbfischer klagt an

Saugbagger schreddern geschützte Fische

Der Geversdorfer Berufsfischer, Umweltschützer und Ostepreisträger Walter Zeeck, übt heftige Kritik am unkontrollierten Einsatz von Saugbaggern in der Elbe, mit dem geschützte Fische massiv in Mitleidenschaft gezogen werden. Auszug aus Zeecks Grusswort:
Liebe Störfreunde, ich möchte mich hier und heute mit einem Grußwort als Berufsfischer von Oste und Elbe bei allen bedanken, die sich für die Wiederansiedlung des Störes einsetzen und für dessen Lebensraum kämpfen. Ich werde dieses mit aller Kraft unterstützen.

Auch freue ich mich, dass Umweltminister Wenzel und Landwirtschaftsminister Meyer diese große Sache unterstützen wollen. Dafür auch von den Berufsfischern meinen herzlichsten Dank. Wir Fischer kämpfen schon lange um ein Biotop, welches den Stör wieder bei uns leben lässt.

Auch haben sich die Umweltbedingungen und das Umweltbewusstsein in den letzten 30 Jahren zum Guten gewandelt. Ich denke da an die Wasserqualitätsverbesserung, und – was ganz besonders wichtig ist – an die Durchgängigkeit unserer Gewässer für alle Fischwander-Arten, die bis 2015 gegeben sein muss.

Wenn ich dann aber an die Situation auf der Elbe denke, und zwar an die Saugbagger, meistens sind es drei bis fünf Bagger, die unterwegs sind, kann ich nicht verstehen, warum diese Schiffe, die eine Genehmigung zum Baggern haben, Fische und andere Lebewesen fangen und schreddern dürfen.

Wir als Fischer und Angler haben eine Unmenge von Vorschriften, Schonzeiten, Mindestmaßen und Fangbegrenzungen zu beachten. Dazu wird bei den Anglern die Rutenzahl beschränkt. In der Fischerei werden die Maschengrößen und Fangmengen von der Fischereiaufsicht kontrolliert, z. B. mit der "Seefalke", einem Schiff mit einer Besatzung von insgesamt 70 Personen.

Alle kontrollieren uns, damit von uns alle Vorschriften eingehalten werden. Bei den kleinsten Verstößen werden sofort hohe Bußgelder verhängt, dass kann bis zur Beschlagnahme des Fischereigeschirres reichen.
Nur die Saugbagger dürfen ohne Umweltverträglichkeitsprüfungen und ohne Fanggenehmigungen arbeiten. Alle Lebewesen, vom Fischlaich über Fischlarven bis zu geschützten Arten, welche auf der Roten Liste stehen, sowie unsere Störe und Lachse, werden angesaugt und geschreddert.

Jeder Fischer und Angler muß in Deutschland, um Fische zu fangen, eine Ausbildung und Prüfung ablegen. Danach darf er erst sach- und fachgerecht fischen und angeln.

Warum wird nicht – wie bei jedem Großgerät üblich – eine Umweltverträglichkeitsprüfung für jeden Saugbagger erstellt? Warum wird bei den Baggerarbeiten nicht auf Artenschutz und Schonzeiten der Fische geachtet? Warum z.B. wird das Baggergut nicht auf lebende Fische beprobt? Was geschieht mit den untermäßigen Fischen? Was geschieht mit den Fischen, die auf der Roten Liste stehen, und der Vielzahl anderer Fische die einfach mit angesaugt werden?

Und das mit Saugbaggern wie der "Josef Möbius", der über 12.800 kw verfügt und damit gnadenlos die Flora und Fauna des Flusses schädigt? Warum wird nicht auf den Saugbaggern eine Fischereikontrolle durchgeführt?

Grundsätzlich müssten an Bord dieser Schiffe unabhängige Biologen mitfahren, die Beprobungen durchführen und überwachen und das Ausmaß des Umweltfrevels feststellen und dokumentieren.

Da haben Umweltminister Wenzel und Landwirtschaftsminister Meyer noch eine große Aufgabe. Warum wird das heutzutage von den Behörden, die den Umweltschutzgedanken angeblich immer hochhalten, genehmigt?

Während unserer Fischerei haben wir schon mehrere mit Marken versehene Störe gefangen. Da wir Hamenfischerei betreiben, die sehr umweltverträglich ist, waren sie noch sehr lebendig. Nach dem Vermessen und Wiegen und der Markennummernotierung wurden sie sehr behutsam wieder ins Wasser zurückgesetzt. Die Fänge wurden dokumentiert und fotografiert und Jörn Gessner mitgeteilt und mit Bild übermittelt.

Gleichzeitig macht dieses auch Mut, dass die Anstrengungen für die Umwelt und die Besatzmaßnahmen trotz aller Widrigkeiten greifen. Hoffentlich haben wir durch unsere Fehler gelernt, und können eines Tages die Traditionen von Carl Ludwig, Hermann Meyer und Herbert Rathjens fortsetzen.

Ich denke, wenn die Fischer, Angler, Umwelt- und Naturschützer zusammenhalten und weitere Umweltverbesserungen durchgeführt werden, werden eines Tages die Nachkommen dieser Störe die Oste hinauf ziehen."

(Quelle: Facebook-Seite von Jochen Bölsche)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.