Endsieg-Parolen

Hamburger Senat meldet sich aus dem Bunker

Auch nach fünf Jahren ist der maximale Container-Umschlag von 9,9 Mio. TEU in Hamburg nicht wieder erreicht worden und allen gekauften Prognosen zum Trotz fiel der Umschlag 2012 statt wie prognostiziert zu steigen. Immer schwerer fällt es der Marketing-Managerin des Hamburger Hafens, Claudia Roller, optimistische Sprüche über die Situation, Entwicklung und Aussichten zu klopfen, und man sieht es ihr an. Eine Prognose für 2013 wagt sie nicht mehr und die Branche macht keinen Hehl aus den trüben Aussichten. Der Hamburger Senat dagegen meldet sich immer noch gebetsmühlenartig mit Parolen über Umschläge von 25 Mio. TEU, die in ihrer Absurdität denen des Kriegsendes durchaus ähnlich sind.

Ein Blick in die Fachpresse würde gegen den Realitätsverlust des Senats schon helfen, es sei denn, man sagt bewusst die Unwahrheit, was auch nicht neu wäre. Wir wagen bei aller Unsicherheit mal drei Prognosen, die den Hamburger Senat und den Steuerzahler keinen Cent kosten:

  1. 2015 wird der Containerumschlag in Hamburg etwa 50 % unter der PLANCO-Prognose liegen.
  2. Der Containerumschlag in Hamburg wird die 10 Mio. TEU nie wesentlich überschreiten.
  3. Die Hamburger Wirtschaft und den Arbeitsmarkt wird das nicht spürbar beeinträchtigen.

Einzig Bremerhaven legte in der Nordrange 2012 mit 6,3 % beim Container-Umschlag zu bei gleicher Tiefgangssituation wie Hamburg. Das ist viel in einem Umfeld, in dem weltweit Stagnation herrscht, vgl. RWI/ISL-Containerumschlag-Index. Ein Grund ist die Verlagerung von Umschlägen innerhalb der Eurogate-Gruppe von Hamburg nach Bremerhaven. Die kluge Unternehmenspolitik der Inhaber durch Beteiligungen und Investitionen an 20 Standorten in Europa trägt hier Früchte. Eurogate und deren Kunden haben begriffen, dass die Elbe ziemlich lang und eng ist und Hamburg als Feederdrehscheibe daher nicht geeignet ist. Die HHLA hat dagegen keine Wahl und das ist eine der beiden Triebfedern für die Elbvertiefung.

 

Aber wenn man sich aus den Prognosen nicht nur die Rosinen mit 25 und 27 Mio. TEU pickt, sondern auch Sätze wie den folgenden liest, dann wundert das Hamburger Öffentlichkeits-Debakel nicht: "Nicht berücksichtigt wurden mögliche Verlagerungen von Nordsee- auf Mittelmeerhäfen  (insbesondere im Containerverkehr in Diskussion) und zwischen deutschen Häfen und polnischen  Ostseehäfen nach dem EU-Beitritt Polens." (Quelle: PLANCO 2007 Seeverkehrsprognose-Endbericht-Teil-2, Seite 57)

Ja, wenn so wichtige Sätze über die Realitäten ausgeblendet werden, darf man sich nicht wundern. Und der Jubel über den stark angestiegenen Handel mit Russland erstickt im Halse, wenn man weiß, dass der Hafen Ust Luga im finnischen Meerbusen bei St. Petersburg jetzt auch Schiffe bis 13,50 m Tiefgang abfertigen kann. Dieser Hafen kam noch nicht einmal bei PLANCO vor, obwohl er doch vom Hamburger Umschlagunternehmen Eurogate betrieben wird.

Die Tiefe von Elbe und Weser ist unverändert, trotzdem legt Bremerhaven weiter zu und Hamburg verliert weiter. Ach ja, Wilhelmshaven?! Da sind die Schiffe auch nicht tiefer, wie auf der Elbe, obwohl 18 m (!) Tiefgang möglich wären. Und wegen mangelnder Schiffsanläufe wird dort jetzt Kurzarbeit beantragt, aller Wassertiefe zum Trotz. Es scheint doch tatsächlich noch ganz andere wichtige Randbedingungen zu geben, als nur die immer wieder bejammerte Verzögerung der Elbvertiefung.

 


 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.