Enak Ferlemann und die Elbvertiefung

Wo steht der Kreistagsabgeordnete, Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär wirklich?

Offensichtlich im Interessenkonflikt! Aber etwas anders, als man vordergründig denken mag. Der überraschende Pressewirbel um das Stimmverhalten von Enak Ferlemann ist unverständlich, denn er hat seit Jahren keinen Hehl daraus gemacht, dass er vor Ort gegen und in Hamburg oder Berlin für die Elbvertiefung spricht. Warum regt man sich also erst jetzt darüber auf? Herr Ferlemann stand 2007 gar mit Fackeln auf dem Deich – gegen die Elbvertiefung!

Auf keins unserer drei Schreiben aber hat Herr Ferlemann jemals geantwortet. Damit hebt er sich von allen anderen Politikern und Wirtschaftsgrößen ab: Er ist der Einzige, der noch nicht einmal die formale Höflichkeit wahrte! Kein Hamburger oder Berliner Politiker oder Journalist hat also Grund zur Sorge, Herr Ferlemann achtet sehr genau auf deutliche Distanz zu den Gegnern dieses geplanten Verbrechens an der Region. Was steckt also hinter der unbegründeten Aufregung?

Nun, es sind ja durchaus sehr lukrative Ämter mit denen er schon 2009 über 23.000 Euro monatliche Einkünfte inklusive Aufwandsentschädigung hatte. Seinerzeit mit nur gut 1000 Stimmen Vorsprung gewählt, muss er sich ernste Gedanken um seine Wiederwahl und damit seine Pfründe machen. Das gilt besonders für enttarnte Elbvertiefer, denn die werden hier bestimmt nicht wiedergewählt. Und so stimmt er im Kreistag einer rechtlich ohnehin unbedeutenden Resolution offen zu, lässt sich dafür (auf Bestellung?) prügeln und spielt dem Wahlvolk an der Unterelbe wieder den Gegner der Elbvertiefung vor. Schreibt sich die Buhnen im Altenbrucher Bogen auf die Fahne und präsentiert sich als Held.

Herr Ferlemann war nie gegen die Elbvertiefung und daher auch nicht in dem Interessenkonflikt, der ihm jetzt nachgesagt wird. Er hat bestenfalls den Anschein erweckt, dagegen zu sein. Die Elbe, die Deiche, das Salz, die Menschen sind ihm herzlich egal. Es gab in fünf Jahren ausreichend Gelegenheit für alle Politiker – inklusive Herrn Ferlemann – sich klar zu positionieren. Er hat die persönliche Nähe zu Geld und Macht den Interessen der Region vorgezogen, möchte sich aber dennoch bald aus dieser Region wiederwählen lassen, und das ist sein wahrer Interessenkonflikt. Ob das Wahlvolk so graniten dumm ist, das nicht zu merken? „Die Bevölkerung in meiner Region weiß sehr genau zu differenzieren", zitiert ihn die NEZ am 20. Januar. Richtig:

Wir wählen keine Elbvertiefer, Herr Ferlemann!

Eine Antwort auf Enak Ferlemann und die Elbvertiefung

  1. Thomas sagt:

    Ich meine, daß eine Antwort auf das Verhalten dieser “hohen Herren” garnicht so schwierig zu finden ist.
    Durch die Tatsache, daß sie mit mehr oder weniger Glück in die Kaste derjenigen gewählt worden sind,die die Politik bestimmen, fühlen sie sich dem dummen Volk, daß sie letztendlich wählte, himmelhoch überlegen und dann noch die Pfründen, auch “Fleischtöpfe genannt”, die sich ihnen mit nur wenig Arbeit, aber viel Verlogenheit aufgetan haben. Da wundert es doch nicht, wenn alles nach der Melodie geht: Wes Brot ich ess´, des´Lied ich sing!
    Rückgrat darf man von einem Politiker nicht erwarten!!!!!!
    Thomas
    Mann sollte diesen Herren allerdings einmal klarmachen, daß das Brot, daß sie unverdientermaßen im Überfluß genießen, von eben jenem dummen Volk gebacken wurde.