Welchen Bedarf gibt es an der Elbvertiefung?

Hamburger Hafen wird schon jetzt von Riesenschiffen angelaufen!

Ausgangspunkt für eine Baumaßnahme ist grundsätzlich der Bedarf. Der Hamburger Senat und die Hafenwirtschaft sagen nun, sie brauchen die Elbvertiefung, sonst können die großen Schiffe nicht mehr nach Hamburg kommen. Das wird noch etwas genauer ausgeführt, Tiefgangsbeschränkungen und Wartezeiten werden angegeben, und sogar große Verluste berechnet. Nach belastbaren Fakten und Grundlagen sucht man aber vergeblich: Die Ausgangspunkte sind stets wirklichkeitsferne Annahmen, die keiner Nachprüfung standhalten. Wenn es den Bedarf wirklich geben würde, hätte man ihn ganz einfach mit den aktuellen Daten belegen können, denn diese großen Containerschiffe fahren schon seit Jahren nach Hamburg. Und zwar genau die Schiffe, für die die Elbe angeblich vertieft werden soll: 14,50 m Konstruktionstiefgang, 350 m lang und bis 10.000 TEU und sie fahren sogar überwiegend tideunabhängig, weil der maximal mögliche Tiefgang in der Praxis nicht annähernd ausgenutzt wird. Das liegt daran, dass die Container nicht alle voll ausgelastet sind und die Schiffe regelmäßig mindestens in einem großen Hafen vorher schon teilweise gelöscht haben. Hamburg liegt am Ende der Linie und kein großes Containerschiff kommt hier voll beladen an.

Die aktuellen Daten belegen eindrucksvoll, dass es praktisch keine Beschränkungen für diese Schiffe gibt. Stolz verkündet man seit Jahren Steigerungsraten von ca. 15 Prozent jährlich, die Verdopplung der Containerumschlags in 5 Jahren und die Ausweitung des Marktanteils in der Nordrange. Aber die Planfeststellung stützt man auf die kruden Annahmen von gestern, denn anders lässt sich ein „Bedarf“ nicht ausweisen.

Die "CMA CGM Andromeda" mit 15,50 m Konstruktionstiefgang läuft am 20. April 2009 tiedeunabhängig mit 11,90 m Tiefgang erstmals den Hamburger Hafen an (siehe Foto). Sie hätte noch ca. 900 Container mehr laden können und wäre immer noch tiedeunabhängig gefahren.

Es besteht also gar kein Bedarf für eine erneute Elbvertiefung!

Senat und Hafenwirtschaft „sagen  bewusst die Unwahrheit“ – wie man das im Juristendeutsch ausdrückt, um das Wort Lüge zu vermeiden.

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